“Meat” by Terry Bisson

Recently, I found this little Sci-Fi story on Google Plus and that reminded me of my later teen days, when I’d passionately immerse myself in the stories of Isaac Asimov, Stanislav Lem and the likes and kept absorbing their way out ideas.Terry Bisson’s ‘Meat’ is in a class of its own IMHO.

Upon having finished his short story, I would have loved to share it with other readers, in particular peer German G-plussers and also distribute it via Facebook. So I went ahead and contacted Mr. Bisson himself and I’m pleased to report that he gave me a go on this. So here it is: My translation into the German of Terry Bisson‘ short story ‘Meat’.

Sie sind aus Fleisch

“Sie sind aus Fleisch.”

“Fleisch?”

“Fleisch, ja. Sie sind aus Fleisch.”

“Fleisch?”

“Zweifellos. Wir haben mehrere Exemplare von verschiedenen Teilen des Planeten aufgelesen, sie an Bord unserer Raumschiffe genommen, die Ersatzkomponenten transportieren und sie der Reihe nach sondiert. Sie sind vollständig aus Fleisch.”

“Das gibt’s doch nicht! Was ist mit den Funksignalen? Den Nachrichten an die Sterne?”

“Sie haben Funksignale zur Übermittlung benutzt, aber die Signale stammen nicht von ihnen selbst. Die Signale kommen von Maschinen.”

“Wer hat dann denn die Maschinen gebaut? Mit denen wollen wir in Kontakt treten.”

Die haben die Maschinen gebaut. Das versuche ich Euch ja zu erklären. Fleisch hat die Maschinen gebaut.”

“Ist doch lächerlich. Wie soll denn Fleisch Maschinen bauen können? Ihr erwartet allen Ernstes von mir empfindungsfähiges Fleisch für möglich zu halten?”

“Ich erwarte nicht, ich berichte! Diese Geschöpfe sind die einzig zu Empfindungen fähige Spezies in diesem Sektor und sie sind aus Fleisch.”

“Vielleicht ähneln sie den Orfolei. Ihr wißt schon, diese auf Kohlenstoff basierende intelligente Spezies, die ein Stadium der Fleischwerdung durchläuft.”

“Nö. Sie werden als Fleisch geboren und sterben als Fleisch. Wir haben sie über mehrere ihrer Generationen hinweg untersucht, was nicht sehr lange gedauert hat. Habt Ihr eine annähernde Vorstellung vom Lebenszyklus von Fleisch?”

“Verschont mich damit! Na ja, vielleicht bestehen sie nur zum Teil aus Fleisch. Ihr wißt schon, so wie die Weddilei mit einem Fleischkopf und innen einem Hirn aus Elektronenplasma.”

“Nö. Daran hatten wir auch gedacht, weil sie ja Fleischköpfe haben wie die Weddilei. Aber ich hab’s Euch doch gesagt: Wir haben alle sondiert. Sie sind ganz und gar aus Fleisch.”

“Kein Gehirn?”

“Doch schon, ein Hirn haben sie. Nur – es ist ganz aus Fleisch! Versuch’ ich Euch doch schon die ganze Zeit zu erklären.”

“Also … womit denken sie dann?”

“Ihr versteht es nicht, oder? Ihr weigert Euch anzunehmen, was ich Euch die ganze Zeit zu erklären versuche: Sie denken mit ihrem Hirn. Mit dem Fleisch.”

“Denkendes Fleisch! Ihr erwartet von mir, dass ich ‘denkendes Fleisch’ glauben soll!”

“Ja, denkendes Fleisch! Bewußtes Fleisch! Liebendes Fleisch. Träumendes Fleisch. Die ganze Angelegenheit ist Fleisch! Dämmert es allmählich oder muss ich nochmal von vorne anfangen?”

“Du meine Güte! Ihr meint es also wirklich ernst. Sie sind ganz aus Fleisch.”

“Danke! Endlich. Ja. Sie sind wirklich ganz aus Fleisch. Und sie versuchen schon seit knapp 100 ihrer Jahre Kontakt mit uns herzustellen.”

“Du meine Güte. Also was will dann dieses Fleisch von uns?”

“Erstmal mit uns reden. Dann, denke ich mal, das Universum erforschen, andere intelligente Spezies kontaktieren, Ideen und Informationen austauschen. Das Übliche.”

“Wir sollen mit Fleisch sprechen.”

“Darum geht’s. Das schicken sie uns per Funksignal. ‘Hallo. Ist da wer? Irgendwer zu Hause?’ Sowas in etwa.”

“Die sprechen also wirklich, ja? Sie verwenden Wörter, Ideen, Gedanken?”

“Oh ja. Nur – sie machen das mit Fleisch.”

“Ihr habt doch gerade gesagt, dass sie Funksignale verwendet haben.”

“Haben sie auch. Aber was glaubt Ihr hört man da? Fleischgeräusche. Ihr wißt schon, so wie wenn man Fleisch hin- und herwedelt oder draufklatscht, dieses Geräusch, das dabei entsteht. Sie sprechen miteinander, indem Fleisch auf Fleisch klatscht. Sie können sogar singen, indem sie Luft durch ihr Fleisch pressen.”

“Du meine Güte. Singendes Fleisch. Das ist zuviel für mich. Also, was schlagt Ihr vor?”

“Offiziell oder inoffziell?”

“Sowohl als auch.”

“Offiziell sind wir zur Kontaktaufnahme verpflichtet, zur Begrüßung und Aufnahme jeder und aller empfindungsfähiger Spezies oder vielzahliger Wesen in diesem Quadranten des Universums, ohne Voreingenommenheit, Furcht oder Bevorzugung. Inoffiziell rate ich dazu, die Einträge zu löschen und die ganze Sache zu vergessen.”

“Ich hatte gehofft, dass ihr das sagen werdet.”

“Das mag brutal wirken. Aber es gibt einfach Grenzen. Wollen wir wirklich mit Fleisch in Kontakt treten?”

“Ja, ich stimme Euch vollkommen zu. Was gibt’s schon zu sagen? ‘Hallo, Fleisch. Wie geht’s?’ Aber wird es so funktionieren? Von wievielen Planeten sprechen wir denn?”

“Nur einem. Sie können in speziellen Fleischbehältern zu anderen Planeten fliegen, aber dort nicht leben. Und da sie ja Fleisch sind, können sie nur durch den C-Raum fliegen. Was sie auf Lichtgeschwindigkeit reduziert und damit die Wahrscheinlichkeit, jemals Kontakt herstellen zu können, reichlich gering macht. Sogar verschwindend gering.”

“Also tun wir einfach so, als sei niemand zu Hause im ganzen Universum?”

“Genau.”

“Grausam. Aber ihr sagtet es ja schon. Wer will denn schon mit Fleisch Kontakt aufnehmen. Und was ist mit denen an Bord unserer Schiffe, die, die ihr sondiert habt? Seid ihr Euch sicher, dass sie sich an nichts erinnern werden?”

“Die werden für Spinner gehalten, wenn sie davon erzählen. Wir sind in ihre Köpfe und haben das Fleisch geglättet, so dass wir ihnen lediglich wie ein Traum vorkommen werden.”

“Fleisches Traum! Wie seltsam passend das ist, dass wir sind, was sich Fleisch erträumt.”

“Und wir haben den ganzen Sektor als nicht-besetzt markiert.”

“Gut. Einverstanden, offiziell und inoffiziell. Fall abgeschlossen. Sonst noch wer? Irgendwer von Interesse auf dieser Seite der Galaxie?”

“Ja. Eine eher schüchterne, aber reizende im Kern wasserstoffbasierte Intelligenzhäufung auf einem Stufe-9-Stern in der G445-Zone. Wir hatten schon vor zwei Galaxie-Umdrehungen Kontakt. Sie wollen sich wieder anfreunden.”

“Die kreuzen immer wieder auf.”

“Warum auch nicht? Stellt Euch vor, wie unbeschreiblich kalt das Universum wäre, wäre man ganz allein da…”


Copyright notice: Originally published via a Creative Commons license. For commercial use, please get in touch with Mr. Bisson.

Urheberrechtlicher Hinweis: Der englische Originaltext ist durch eine Creative Commons-Lizenz freigegeben. Zur kommerziellen Nutzung mögen sich Interessenten direkt an den Autor wenden.

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One Response to “Meat” by Terry Bisson

  1. renovatio06 says:

    Reblogged this on     copyblock. and commented:

    I’m thinking of registering for an academic program teaching fictional interpretation. Here’s a little snippet I did a while ago. Original sci-fi short by Terry Bisson, translation into the German by my modest self.

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